Aktuell
Brief an Direktkandidaten
Im Zusammenhang mit der Bundestagswahl 2009 hat die Gemeinde an Direktkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien den folgenden Brief geschrieben. Es sind die Kandidaten aus dem Wahlkreis Waiblingen zu dem Fellbach-Oeffingen gehört.
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Sehr geehrter Herr....
Sie bewerben sich im Wahlkreis Waiblingen um das Direktmandat für den 17. Bundestag.
Als evangelisch-freikirchliche Mennonitengemeinde in der Region Stuttgart haben wir in unserem Gemeindehaus den örtlichen Mittelpunkt. Da Fellbach-Oeffingen zu Ihrem Wahlkreis gehört, wenden wir uns im Zusammenhang zur Bundestagswahl an Sie.
Nicht nur als einzelne Bürger und Bürgerinnen verfolgen wir die in deutscher Verantwortung gemachte Politik, sondern wir sehen uns auch als Gemeinde in der Verantwortung. Dies gilt besonders dann, wenn in offiziellen Verlautbarungen davon gesprochen wird, dass im Namen des deutschen Volkes oder im Namen aller Deutschen gehandelt werde. Denn damit wird dem Geschehen eine besondere Qualität zugesprochen, die über das Mandat einer politischen Repräsentanz hinausgeht. So geschehen im Rahmen der Trauerfeierlichkeiten für die in Afghanistan gefallenen Soldaten.
Wie schon bei früheren Einsätzen der Bundeswehr, die über das durch das Grundgesetz begrenzte Mandat hinausgehen, vermissen wir eine breite, ausführliche Auseinandersetzung, die mehr umfasst als verschleiernde Argumente.
Als Gemeinde einer Kirche, der das Friedenszeugnis ein besonderes Anliegen ist, können wir militärische Einsätze als nicht vereinbar mit unseren christlichen Wertevorstellungen ansehen. Darüber hinaus sind wir generell der Meinung, dass militärisches Eingreifen letztendlich nicht einer friedlichen Entwicklung dient, sondern den Kern zukünftiger Konflikte in sich birgt. Auch Überlegungen, dass mit militärischen Einsätzen erst die Voraussetzungen für zivile Friedenbemühungen geschaffen würden, können wir aus unserem biblischen Verständnis nicht teilen. Wir befürchten eher, dass sich durch den militärischen Einsatz die Sicherheitslage z.B. in Afghanistan verschlechtert, so dass zivile Einsätze erschwert, wenn nicht sogar unmöglich werden. Mit militärischen Einsätzen wird der Teufelskreis der Gewalt nicht verlassen. Unsere Unterstützung gilt nach wie vor der Stärkung einer Zivilgesellschaft, dem Aufbau von zivilen Friedensdiensten, der Befähigung der Gesellschaft zu einer konstruktiven Konfliktbearbeitung. Wir sehen uns in dieser Frage in Übereinstimmung mit dem österreichisch-englischen Philosophen Karl Popper, der sagt: „Wir müssen für Frieden sorgen und nicht für Sicherheit, einzig aus dem Grund, weil nur der Frieden Sicherheit sicher machen kann.“
Dieser Brief wurde in der Gemeinde besprochen. Das weist auf das Interesse in der Gemeinde an der politischen Diskussion zu Bundeswehreinsätzen hin. Uns interessiert, was in Afghanistan erfüllt sein muss, damit die Soldaten zurückgeholt werden, und wie der Weg dazu aussieht. Gerade im Vorfeld der Bundestagswahl sind wir an Ihrer persönlichen Auffassung interessiert. Wir freuen uns, dass wir Ihre Antwort der Gemeinde im Gottesdienst am 20. September mitteilen können.
Mit freundlichen Grüßen
Volker Haury
(Gemeindeleiter)
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